Projekt „Sonnendorf Grötzingen“

„Sonnendorf Grötzingen“ – Energiewende vor Ort!

Projektansatz:

Das Projekt „Sonnendorf Grötzingen“ ist als gemeinsames Projekt von Bürgerinnen und Bür-gern, der Verwaltung und regionalen Akteuren angedacht und ein Impuls des Naturtreffs Grötzingen.

Die Bezeichnung „Sonnendorf“ bezieht sich auf die Förderung regenerativer Energien und Energieeffizienz für den Klimaschutz und steht damit nicht in Konkurrenz zur Bezeichnung „Malerdorf“ bzw. „Künstlerdorf“
Das Projekt ist modular angelegt, d.h. es kann mit einzelnen Projektideen beginnen und dann erweitert oder angepasst werden. So bleibt die Anschlussfähigkeit an zukünftige Begebenheiten erhalten.
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Das Projekt „Sonnendorf“ ergänzt Hand in Hand das Energiequartier Grötzingen der KEK so-wie die Bemühungen der Verwaltung auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Mit der Zeit können Kooperationen zu weiteren Akteuren angestrebt werden, z.B. zum KIT / ITAS im Rahmen eines Reallaboransatzes oder einer Bürgerenergiegenossenschaft.

Ziele:

  1. Energiewende aktiv voranbringen
  2. Ein breites, zivilgesellschaftliches Engagement aktivieren
  3. Förderung regionaler Wertschöpfung (durch Kooperation mit lokalen Akteuren wie Verwaltung, Handel, Gewerbe, etc.)

Projektideen:

Die Projektideen werden zuerst kurz skizziert, ausführlichere Darstellungen bzw. Vorüberlegungen schließen sich z.T. daran an.

1 Klimaschutz in der Grötzinger Öffentlichkeit

Das Gelingen der Energiewende hat die größten Erfolgsaussichten, wenn sich möglichst viele gesellschaftliche Bereiche zusammenschließen und den dezentralen Ausbau aktueller und geeigneter Technologien zur klimaneutralen Energieerzeugung voranbringen. Hierfür soll in der Öffentlichkeit aktiv für Beteiligung geworben werden.
Im Folgenden sind einige Ideen für die Umsetzung in Grötzingen zu finden, die selbstver-ständlich noch konkretisiert werden müssen.

1.1 Grötzinger Energiegespräche
Regelmäßige offene Treffen im Ort zum freien Austausch und zur Vernetzung rund um die Themen Klima, Energie, Konsum, Mobilität. Denkbar sind auch Treffen mit thematischen Schwerpunkten, z.B. durch Vorträge.

Die Grötzinger Energiegespräche können auch dem Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern zu den geplanten Maßnahmen der Gemeinde für die Energiewende dienen.

1.2 Multiplikatoren / Ansprechpersonen für Solartechnik und energetische Sanierungen
Von Grötzingern für Grötzinger – einfacher, unkomplizierter Austausch „auf Augenhöhe“ untereinander – niederschwellig, motivierend: Solaranlagenbesitzer bzw. Besitzer von sanier-ten Häusern geben Tipps und Auskunft an Interessierte (Kombination mit Grötzinger Ener-giegesprächen sind möglich)

1.3 Grötzinger Klimatage
An einem (z.B. jährlich stattfindenden) Grötzinger Klimatag können sich alle lokalen Akteure wie z.B. Betriebe, Vereine, Schulen, Kirchen etc. beteiligen. Sie sollen der Information und dem Austausch zu Themen rund um den Klimaschutz dienen. Denkbar sind Mitmach-Aktionen, Infostände, Tauschmärkte etc.

1.4 Begleitende Projekte mit Schulen und Kitas
Schulen und Kitas können über die Gründung einer Umwelt-AG oder die Beteiligung an Umwelt- und Klimaschutzprojekten einbezogen werden. Damit wird einerseits Bildung für Klima- und Umweltbewusstsein gefördert, andererseits wird auf diese Weise das Thema in die Familien getragen.

2 Dezentrale Energiewende

Jede Gemeinde ist aufgerufen, ihren Beitrag zum Klimaschutz voranzubringen. Neben den Bestrebungen der Stadt kann Grötzingen innovativ eigene Projekte umsetzen und davon profitieren. Diese Initiative konzentriert sich im ersten Schritt zunächst auf den lokalen Aus-bau von Photovoltaikanlagen und thermische Solaranlagen.

Eine zukunftsfähige Energieversorgung macht eine dezentrale Vernetzung verschiedener Energieerzeugungstechniken notwendig. Solarthermie und Photovoltaik sollten durch Blockheizkraftwerke (BHKW) ergänzt werden. Überkapazitäten bei Strom- und Wärme müssen künftig in Speicher überführt werden (z.B. Wasserstoff- und Nahwärmespeicher), um zu einem späteren Zeitpunkt wieder als Strom oder Wärme verfügbar zu sein.
solar erzeugter Strom kann in Grötzingen in diverse Speichersysteme (Einzelspeicher in Haushalten, Quartiersspeicher, E-Ladesäulen) fließen. Um Stromspitzen zu vermeiden, könnten Anreize geschaffen werden, Strom dann zu verbrauchen, wenn ein Überangebot herrscht.

2.1 Private Dächer
Die Idee „Sonne auf die Dächer“ bewirbt aktiv Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger, Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen zu installieren. Bürgerinnen und Bürger können durch Artikel, Vorträge oder Informationsveranstaltungen dazu motiviert werden.

Sollte die Finanzierung von Photovoltaikanlagen bzw. Solarthermie ein Hinderungsgrund sein, kann auf die Möglichkeit der Dachverpachtung an eine BEG oder auf die Contracting-Modelle der Stadtwerke hingewiesen werden.

2.2 Energieberg Grötzingen
Auf der alten Mülldeponie kann Flächen-Photovoltaik zur Erzeugung von Solarstrom installiert werden. Dies kann auch durch eine Bürgerenergiegenossenschaft umgesetzt werden.

Denkbar ist eine Kombination mit einer Pufferspeicher-Pilotanlage. Für diese könnten Fördergelder beantragt werden, eine wissenschaftliche Begleitung durch das ITAS (Institut für Technikfolgen-Abschätzung am KIT) wäre möglich, Interesse daran wurde seitens des KIT schon bekundet. Weitere Überlegungen finden sich in den Erläuterungen.

2.3 Vorhandene, nicht private Flächen
Hierfür können z.B. Unternehmen angeschrieben werden und auf die Möglichkeiten günstiger Energieversorgung durch die Eigenproduktion hingewiesen werden, etwa durch eine beispielhafte Rentabilitätsberechnung einer solchen Anlage. Denkbar wären beispielsweise Überdachungen von Parkplätzen mit Photovoltaik, große Hallen, das Grötzinger Industriegebiet. Weitere Überlegungen finden sich in den Erläuterungen.

3 Regionale Wertschöpfung

Die dezentrale Energieversorgung und Energieeffizienz stärkt kommunale Akteure durch Einsparungen bei den Energiekosten und Einnahmen aus der Energieerzeug. Dies gilt für die regionale Wirtschaft (Handwerksbetriebe, Unternehmen, Handel, etc.), die Kommunen und deren Bürgerinnen und Bürger.
Die Idee der regionalen Wertschöpfung wurde beispielsweise vom Rhein-Hunsrück-Kreis erfolgreich umgesetzt. 2011 betrugen die Kosten für Energieimporte 290 Mio. €. Durch Energieeffizienz (Einsparungen) und die Erzeugung regenerativer Energien im Kreis konnten bereits 2017 43.5 Mio. € an regionaler Wertschöpfung erzielt werden. Der Kreis heute als der am wenigsten verschuldete Kreis im Bundesland. Eine regionale Energiewende ist also realistisch und profitabel.

Regionale Wertschöpfung geht jedoch weit über den ökonomischen Bereich hinaus und ist ebenso als soziale und ökologische Wertschöpfung wirksam. Sie stärkt den zivilgesellschaftlichen Zusammenhalt der Gemeinde – genauere Ausführungen stehen in den Erläuterungen.

4 Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft

Zur Umsetzung der einzelnen Projektideen kann eine BEG gegründet werden oder der Anschluss an schon bestehende BEG gesucht werden. Gespräche mit in diesem Zusammenhang fanden schon statt.

Vorstellung der Projektidee im Ortschaftsrat Grötzingen am 26. Juli 2021

Bericht über die öffentliche Präsentation des Naturtreff im Ausschuss
des Ortschaftsrats in „Grötzingen aktuell“ vom 30 Juli 2021